„Kontrolliert ins Internet“

In der Weststadtschule lernen Erstklässler das Internet kennen

von wurm – sicher gut bauen.

Rektor Herbert Weiß und Elternbeiratsvorsitzender Gerhard Wurm freuen sich über den EDV-Raum, der dank Sachspenden für die Medienerziehung in der Weststadtschule zur Verfügung steht.
Rektor Herbert Weiß und Elternbeiratsvorsitzender Gerhard Wurm freuen sich über den EDV-Raum, der dank Sachspenden für die Medienerziehung in der Weststadtschule zur Verfügung steht. (Foto: Stefan Blank)

Ravensburg – Zum neuen Schuljahr startet in der Weststadtschule ein Projekt, das in anderen Teilen Baden-Württembergs noch Zukunftsmusik ist: „Medienerziehung “ heißt das Schlagwort. Dabei geht es hier darum, Kindern schon ab der Klassenstufe 1 das Leben mit Computern und dem Internet näherzubringen. Der EDV-Raum steht bereit, ausgerüstet mit Computern, Bildschirmen, einem Server und weiterer Technik – gespendet von wurm – sicher gut bauen und der Elternschaft der Weststadtschule.

In der Bildungsplanreform 2016 des Landes Baden-Württemberg wurde die Medienerziehung als eine der sechs Leitperspektiven verankert, und für die Klasse 5 ist ein eigenständiger Einführungskurs in die Medienbildung vorgesehen. „Aber in der Klasse 5 erst anzufangen, das erschien uns viel zu spät“, sagt Herbert Weiß, Rektor der Weststadtschule. „Acht bis 13-Jährige kommen schon auf 150 WhatsApp pro Tag, da wollten wir früher mit der Medienerziehung einsteigen.“ Der Elternbeirat sah das genauso. Im Herbst 2016 setzten sich das Lehrerkollegium und die Vertreter der Eltern zusammen, machten sich Gedanken über einen eigenes Konzept in Sachen Medienerziehung und erarbeiteten gemeinsam Bezüge zum Bildungsplan. Nur, dass es an der Weststadtschule eben früher losgehen sollte als in der Klasse 5. Zwei Lehrerinnen stiegen intensiv in das Thema ein und, wenn möglich, wurden kurze Dienstwege beschritten. „Wir haben das Glück, das wir medienkompetente Kolleginnen haben“, freut sich Rektor Weiß. Eine Kooperation mit dem Landesmedienzentrum wurden angestoßen, Fortbildungsangebote wahrgenommen und die Elternschaft eingebunden. „Eine beispielhafte Vorgehensweise“, sagt Weiß.

„Gemeinsam mit Vertretern des Lehrerkollegiums haben wir sinnvolle Angebote geprüft und die richtigen Partner zur Unterstützung ausgesucht,“ sagt Gerhard Wurm, Elternbeiratsvorsitzender. „Daneben haben wir auch erkannt, dass nicht nur die theoretische Ausbildung der Schüler notwendig ist, sondern insbesondere auch die praktische Umsetzung unterstützt werden muss.“ Konkret heißt das, dass dank der Initiative des Elternbeirats der EDV-Raum der Schule durch Firmenspenden mit PCs, Servern und weiterer Technik aufgerüstet werden konnte. Den Einbau und die Inbetriebnahme leisteten auch die Eltern. Wurm selbst gehörte zu den Spendern und brachte sechs Computer, Bildschirme und den Serverschrank ein. „Denn in unserem Büro werden alle drei Jahre die Computer komplett ausgetauscht, da CAD-Arbeitsplätze extrem dynamisch sind und die Programme immer mehr verlangen.“ „Das ist klasse“, so Weiß, „es gibt Grundschulen im Land, da steht gar nichts.“ Dank finanzieller Unterstützung der Stadtverwaltung konnte dann auch die notwendige Schülersoftware zum Einsatz gebracht werden.

Im Februar 2017 ging das Projekt Medienerziehung an der Weststadtschule an den Start. Seitdem wurde laufend diskutiert und optimiert. Pünktlich zum Schuljahr 2017/18 brummt der Server in seinem Schrank, die Medienerzieherinnen sind auf dem neuesten Stand, und die Kinder können an zwölf modernen Arbeitsplätzen lernen, wie man kontrolliert ins Internet geht. Doch die Medienarbeit hört nicht an der Tür des EDV-Raums auf: „Die Eltern werden immer miteinbezogen. Auch sie sollen den Nutzen und die Gefahren des Internets und der Medien kennenlernen – auf kindlichem Niveau“, sagt Wurm. Schulleiter Weiß ist aber auch klar, dass die Weststadtschule mit dem Projekt erst am Anfang steht: „Das ist ein junges Baby. Aber jetzt schaffen wir Tatsachen. Ich bin froh und glücklich, dass wir in so kurzer Zeit konkrete Schritte unternommen und mit einer tollen Methode viel erreicht haben.“ Kein Wunder, dass Weiß diesen Herbst das Gesamtkonzept dem Schulträger, Stadt Ravensburg, vorstellen will.


Erschienen: Online-Ausgabe der Schwäbischen